BENIM ANNELERIM VARDI

ICH HATTE MÜTTER

CS

Cemal Satılmış

2. Juni 2026

ICH HATTE MÜTTER

MEINE MÜTTER, DEREN VORHÄNGE SEIT JAHREN NICHT GEÖFFNET WURDEN

Stellen Sie sich einen Vorhang vor.
Der Morgen ist angebrochen. Die Sonne ist aufgegangen. Aber der Vorhang wird nicht geöffnet.
Drinnen ist eine Mutter. Seit zehn Jahren sind ihre Vorhänge geschlossen.
„Ich kann sie nicht öffnen“, sagt sie. „Wenn ich sie öffne, fühlt es sich an, als ob das Leben weitergeht. Aber für mich ist das Leben stehen geblieben.“
Diese Mutter ist real. Dieser Vorhang ist real. Dieser Schmerz ist real.”

„Nach dem 15. Juli 2016 wurden Zehntausende Menschen vor Gericht gestellt.
Alte Mütter wurden in Handschellen gelegt. Sie wurden ins Gefängnis geschickt.

Militärschüler – junge Menschen in ihren Zwanzigern – wurden wegen lebenslanger Haft verurteilt.
Was taten die Mütter dieser jungen Menschen?
Sie schrieben Petitionen. Sie rissen sich die Beine ab. Sie suchten nach Anwälten. Sie warteten auf Besuchstage. Sie saßen vor den Gefängnistoren. Und als sie nach Hause zurückkamen, öffneten sie ihre Vorhänge nicht.”

ICH HATTE MÜTTER,
MEINE MÜTTER, DEREN VORHÄNGE SEIT JAHREN NICHT GEÖFFNET WURDEN

„Im Koran gibt es eine Sure: die Sure Maryam.
Die Heilige Maria sah sich dem Druck der Gesellschaft ausgesetzt. Ihr wurde Unrecht getan. Sie blieb allein.
Doch Allah ignorierte sie nicht. Er bewahrte ihren Schmerz, ihre Geduld in einer Sure, die bis zum Tag der Auferstehung gelesen werden wird.

Die Mütter von heute sind ebenfalls allein. Den Müttern von heute wird ebenfalls Unrecht getan. Die Mütter von heute ertragen ebenfalls Geduld.
Allah sieht sie. Aber sehen wir sie auch?”

„Im Islam ist es eine große Sünde, den Hilferuf eines Unterdrückten zu ignorieren.
Unser Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: ,Hütet euch vor dem Hilferuf des Unterdrückten. Denn zwischen ihm und Allah gibt es keinen Schleier.‘

Haben diese Mütter Hilferufe ausgestoßen? Sie haben seit zehn Jahren Hilferufe ausgestoßen.
Haben wir als Gesellschaft diese Hilferufe gehört? Haben die Politiker sie gehört? Haben die Journalisten darüber geschrieben? Haben die Akademiker darüber geforscht?
Nein.
Und dieses ‚Nein‘ ist nicht nur eine Unterlassung – es ist eine Sünde im Auge des Islam.”

„Hundert Jahre sind vergangen.

Die Hand, die Kugeln trug, ermüdete. Die Hand, die Henna auftrug, wurde faltig. Die Hand, die vor der Tür wartete, zitterte. Die Hand, die den Vorhang nicht öffnen konnte, wurde taub.
Aber diese Hände sind immer noch da. Sie warten immer noch. Sie hoffen immer noch.
Was sagt uns der Islam?

‚Wer satt schläft, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu uns.‘

Wie können wir ruhig schlafen, wenn nebenan, in der nächsten Straße, in der nächsten Stadt eine Mutter seit zehn Jahren ihren Vorhang nicht öffnen kann?
Diese Stimme ist ein Appell an unser Gewissen.

Wir rufen dem Staat zu: Erkenne an. Repariere. Wir rufen den Politikern zu: Fragt. Ändert. Wir rufen den Akademikern zu: Dokumentiert. Gebt weiter. Wir rufen euch zu: Seht.
Weil diese Mütter seit hundert Jahren allein sind. Das darf nicht mehr sein.

Denn diese Mütter sind seit hundert Jahren allein. Das darf nicht mehr sein.

ICH HATTE MÜTTER,
MEINE MÜTTER, DEREN VORHÄNGE SEIT JAHREN NICHT GEÖFFNET WURDEN.


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